marillentraum VI

für meine schwiegermutter

 

marille
sagtest du – marille
ist ein schöner baum.
eine wand zieht auf
dein blick wird taub
ich falle einen
ganzen berg.

puderzuckertief
dich zu betten
in vanilleduft aus wien:
löffelweise sommerluft
in trost und weiss zu liegen
wenn dein vogel kommt
dich zu holen in der nacht.

doch es war so:
unwiderruflich
auf den weg gebracht
unwiderruflich gehst
du und alles um dich
und in dir weiß darum.
erschöpft stehe ich
in flachen wassern
auf wortlarven
suche dir zu helfen
und verbleibe auf
meiner welt der scheibe.

wellengang
und atemtakt
eine gewalt
nimmt dich auf –
dies ist dein meer
dein feuer unter
bergen atemschwer
kämpfst du dich fort
wirst besiegt
besiegst und
wandelst dich.

gnädig und gnadenlos
scheint eins – simultan
untrennbar wie
flach und tief
eng und weit.
anarchie und struktur
ist eins ist sterben.

etwas ist gekommen
dich zu tragen über
wien weit fort und
über dich hinaus.

um vier uhr früh
das fenster offen
in rosen gefaltet
deine hände
deine größe
gelebt zu haben
wie du warst
und bleiben wirst
uns zu wärmen
körperlos.

erschöpft und starr
wird dein gesicht
sich wandeln
in stunden
des abstands.
not schwindet
ALL zieht ein
und reist dich weit
hinter sternbilder.

aufhebung:
unerreichbar
bleibst du

vermutlich.

 

 

fef