amber

für gerhard schneider

 

1.

elfenbein
ungesungen
versplittert in
tausendbrauner erde

wurde der sohn
(nach seiner atemzeit)
fossil und bernstein

die preziose der mutter 
als schmerzlicht im
wohlvernähten herz.

memorabilien
aus heiltagen
aus werdetagen

fand ich rotblond
in einem kuvert
eine strähne amber
magenknoter
ein stummes kissen.

elfgebein
versplittert
in nassen gräben wo

letztwörter
im abschied gegen
ströme schwimmen.

 

2.

elfenworte
ungesungen
zarte flügel toter motten

weißt du noch sohn
im garten

an holzklammern
nah der berberitze hing
leinen hell und aus der wiese

mit dem löwenzahn
flatterten verirrte weiße schatten
aufgescheuchter flügel
zart wie origami

aus luft und mehl
waren sie zur falschen zeit
nicht für grelles licht geboren
flatterten sich tot
am falschen ort.

 

3.

bittermandel
heubühne 
einschlag
splittert und
reißt seinen bauch.

letztes sehnen nach
innen rasendes
resümee

wehworte ohne sprache
g. ist ein gefallener
und eine nachricht

an die mutter
eine scherbe ins herz
ein lebens
schnitt.

in langen schatten
taubstummer schwere
mischen sich farben
schnitzen formen 

den abdruck
den wehton
der abrufbar bleibt

ein amberlied 
stumm zu singen
in amber farben
weicher flächen
blasser zeichnung.

 

4.

fand dich
in schubladen
in remisen
werte und wehrte
wasserlohn und
stille quellen

und viel später:

zagend
bricht licht ein
dehnt sich
verfließt und
zerdampft

amber leuchtet
stummer schein.