amber

für gerhard schneider/ 1944

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1.

elfenbein
ungesungen
versplittert in
tausendbrauner erde

wurde der sohn
fossil und bernstein
die preziose

der mutter 
das schmerzlicht im
wohlvernähten herz.

memorabilien
aus heiltagen
aus werdetagen

fand ich rotblond
in einem kuvert
eine strähne amber
sein haar mein magen
knoter ein stummes kissen.

elfgebein versplittert
in nassen gräben wo
letztwörter

im abschied gegen
ströme schwimmen.

2.

elfenworte
ungesungen
zarte flügel toter motten

weißt du noch sohn
im garten

an holzklammern
nah der berberitze hing
leinen hell und aus der wiese

flatterten verirrte weiße schatten
aufgescheuchter flügel
zart wie origami
aus luft und mehl

waren sie zur falschen zeit
nicht für grelles licht geschaffen
und flatterten sich leer
am falschen ort.

3.

bittermandel
heubühne 
einschlag splittert und
reißt
seinen bauch.

letztes sehnen nach
innen
im schmerz
und außer sich.

und außer sich
gefallen
und eine nachricht

an die mutter
die scherbe ins herz
der lebens
schnitt.

in langen schatten
taubstummer schwere
mischen sich farben
schnitzen formen 

den abdruck
den wehton
der abrufbar bleibt

ein amberlied 
stumm zu singen
in amber farben
weicher flächen
blasser zeichnung.

4.

fand dich
in schubladen
in remisen
werte und wehrte
wasserlohn und
stille quellen

und viel später:

zagend
bricht licht ein
dehnt sich
verfließt und
zerstäubt als

amber
leuchtend
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