winter zug

 

 

1.

ein schnitzer mond
mitgenommen auf
gleis wege. denn

großes
begleitet dich – alles
was im himmel hoch ist:

mal verstellt
dann gut im blick
und mittendrin
am rand

zwischen zeit
zwischen ziel
im transit ein fahriges
jetzt,

 

 

2. tangente

in langen kurven ins außen gelehnt
streifst du wintersaat und wald.
fast – denkst du ans fenster gepresst
bis dein arm eng wird und zug summt.

nach fünf
fügt sich die
draußenwelt der nacht
und du

siehst wölfe hasen weiden
an nachtteichen sekundentief –

du rufst deine flatter
haften sinne zur kurz
sichtigen vernunft,

lehnst dich in dein
spiegelbild und suchst
im blinden schwarz
gutes zu lesen.

 

 

3.

stromtürme ihre
strengen linien, die hoch
gespannten schneiden scharf
ins winterholz.

akazien ast
eichen holz,
flüsterst ihnen namen.

in unfarben bist du haltlos
hälst dich an das kunstgrün
der wintersaat,

folgst
fabrik. haus. scheunen.
folgst dem entgleiten

angestrengt,
halten und lassen.
weder
weite noch nähe
sind erfahrbar.

du
bleibst die ferne.
zähl dich dunkel im
blauen nachtturm.

sie kommen alle –
die wandel bilder
ihr blindflug
findet sich in nistkästen,

kummerkästen aus denen
das blau vom himmel läuft
kurzerhand ins schwarz.

 

 

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4.

nass luft münsterland.
höfe und scheunen mein kopf
legt seine beute in stroh.

hohe könige
ihre räder im wind
schlagen luft und wasser
zu nebel, weich silbern
und gnädig.

ein abstellgleis,
die lok ab
gestellt in leerland.
erlebtes flattert hoch,
erstreitet eine rangfolge
der beachtung.

das gestern gräbt
jede farbe um
in bitterkeit,
ließe man es.

 

 

5. bremser bühne

der urlauf
wie sternbilder drehen sich
innerungen und ich bin

venezien
non stop schwebt helles blau
läuft rot die gleise lang
der mohn an einem
gluttag.

flirrend erwartet:
das einrollen meines vaters.
so stehen er und
ich

auf der bühne des
letzten wagons
im zenith des jetzt und

dscher´manja
zer schimpft den müll
im gleisbett –

da kippt mein sinn
nach vorne da
wo du jetzt sitzt, weich

verweht
doch eingeschnürt –
ein wolkenbild vor dem regen.

 

 

6.

ohren rausch
mein wunsch:
nur kein rot.

über eine brücke vorbei
gleitet der zug durch
weiter nichts.

ich sehe was,
das weißt du nicht –
nenn es lebensgrün:

den waldmeister kellergeister
götterspeise meerglas das
promenadengrün liguriens,

im sommer
auf stottergleisen über berge –
bis mannheim das brot in pergament,
dann die tunnelfahrt rollender
nachtwand.

morgengipfel hell
bis zum fensterrand.
jede zelle erfüllt
mit morgen rotem
grün erster palmen.

was siehst du
wenn du die augen schließt?
münster kommt als nächstes.

der mutterort.
der wintermarkt.

 

 

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